Im Oktober: Rosalie

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Es gibt jetzt ein Erscheinungsdatum (12. Oktober 2016) und ein Cover für meinen nächsten Roman. Zum Inhalt sagt euch dieser Link hier ein bisschen was, und dazu diese Notiz von mir:

Bevor ich angefangen habe zu schreiben, waren da nur Scherben von Ideen. Ich sage Scherben, weil jedes Konzept, das ich mir bis dahin überlegt hatte, irgendwie an seiner Inkonsequenz oder einfach nur seiner Undurchdachtheit zersprungen war. Da lagen also herum: Die Idee, über Menschen am Rande einer Katastrophe (in diesem Fall: Tschernobyl) zu schreiben, die mit der Katastrophe eigentlich nicht viel zu tun haben. Tod und Verderben als stilbildendes Element quasi mit minimalen Auswirkungen auf die allgemeine Stimmungslage der Protagonisten. Dahingehend gab es schon Konzeptuelles und Niedergeschriebenes über Eschede oder den Frauenmörder von Beelitz. Letzlich wurde es dann aber die Geschichte zweier verliebter Teens im tiefen Süden im Tschernobyl-Jahr.

Dann war da der Wunsch nach einer Liebesgeschichte mit einem wirklich guten Mädchen und einem unentschlossenen jungen Mann, siehe ein bisschen die Dynamik Laura Palmer / James Hurley in Twin Peaks. Und ich hatte eh grade ein Lied geschrieben hatte über ein Paar, das in der Provinz feststeckt, eine Gegend, die ihre ganz eigene Blutmagie entwickelt, eine voodooeske Lust am Untergang, am eiserenen Griff der Natur. Und ich wusste: das wird’s. Das ist die Genesis.

Und so kann ich auch die Geschichte meiner eigenen Jugend und ihren mystischen Orten erzählen, ihren Eliten und teilhabenden Personen, unseren Landstrichen da unten ihren verdienten und unverdienten Platz in meiner Vita und der Zeitgeschichte zuweisen. Und schon in den ersten Kapiteln kann ich erkennen, was ich der Gegend, der Zeit und den Leuten bisher immer aberkannt habe: ihr ureigenes Dasein als Metapher auf die bundesrepublikanische Menschlichkeit und Unmenschlichkeit Mitte der 80er Jahre.

Die Unmenschlichkeit nur auf den repressiven Katholizismus meiner Jugend zu schieben (und so repressiv war er auch wieder nicht) hing mir als Frucht zu tief, ich wollte auch keine Countryside-Hicks aus den Niederbayern und Provinzlern allgemein machen, aber ich wollte und will ins Protokoll aufnehmen, dass passive Niedertracht und blutrünstige Indifferenz zwei angstmotorisierte menschliche Kerneigenschaften sind, die einen schon in jungen Jahren entweder paranoid (welchem Erwachsenen kannst du trauen?) oder selber niederträchtig indifferent werden lassen können. Und so kam die grausame Faktizität dieser NS-Einrichtung unweit meines Heimatdorfs in den Roman.

American Blood am 12.09.2016

Das ist ein Thriller von einem jungen Neuseeländer namens Ben Sanders. Er spielt im Breaking Bad-Sehern vertrauten Drogenmilieu von New Mexico. Meine erste Übersetzung eines Romans und ein großes Vergnügen, diesen modernen Westernhelden namens Marshall im Deutschen lebendig werden zu lassen. Mehr hier bei Heyne/Random House.

Better Call Saul

Ab 12. Oktober im Handel: meine Übersetzung vom offiziellen Better Call Saul-Buch von David Stubbs für Heyne Hardcore. Ist ein adrettes kleines Coffeetable geworden, das einen eleganten Übergang zwischen Breaking Bad und seinem Spin-Off schafft und ein paar wirklich gute Gags drin hat. Für mich wars ein wundervoller walk down Breaking Bad memory lane oder auch eine Art Best-Of-Saul.

Sonne geht

Das ist ein Lied aus meiner Geisterstadt-EP, die’s ab heute bei BANDCAMP entweder zu schnorren oder zu kaufen gibt. Entirely up to you, Publikum. Gedreht haben das mit mir Lüder Lindau und Isabella Nadobny. Tausend Dank dafür. Und: alles aus dem Video ist in Schöneberg gedreht. Von der chinesischen Whiskey-Bar bis zur Dorfkapelle, die haben da alles.

Lars Eidinger

Im aktuellen deutschen Rolling Stone, der 250. Jubiläumsausgabe wohlgemerkt, steht meine Reportage über Lars Eidinger, den ich letztes Jahr im Dezember bei einer gemeinsamen Lesung kennengelernt habe. In der Zwischenzeit habe ich drei seiner Stücke und etliche Filme gesehen, wir haben telefoniert, gesimst und uns getroffen und ich glaube, ich habe verstanden, warum es mir wichtig war, über ihn zu schreiben. Weil er mir unter all den Theaterkünstlern und Schauspielern in Attitüde und Wesensart am nächsten ist oder zumindest erscheint. So banal ist das nämlich als Autor: Man sucht sich zuerst die Themen, die man mag und begreift. Und wenn auch nicht vollständig, ein bisschen hab ich Lars Eidinger begriffen. Die Bilder zum Begreifen hat Daniel Josefsohn gemacht.

PS: In derselben Ausgabe übrigens ein perspektivischer und historischer Abriss des anhaltenden Booms von Superhelden-Verfilmungen.

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(Foto: Daniel Josefsohn, courtesy of Rolling Stone Deutschland)

Übersetzungen und mehr

In letzter Zeit hatte ich ein paar sehr schöne Übersetzungsaufträge. Erst die Mitarbeit an “Letters Of Note” und “Lists Of Note” (beide Heyne) mit der erhabenen Lesung zu “Letters” im Babylon-Kino in Berlin letzten Dezember unter Großlichtern wie Iris Berben, Lars Eidinger und Benno Führmann. Und das eine Woche nach Geburt meiner Tochter. Ganz großer Termin.

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Dann David Stubbs’ Kompendium zu “Better Call Saul”, ein hochamüsanter Tie-In zwischen “Breaking Bad” und dem Spin-Off “Better Call Saul” (Ende des Jahre bei Heyne) und dann die Krönung: fast fünf Monate mit der im Herbst ebenfalls bei Heyne erscheinenden Terry-Gilliam-Biografie “Gilliamesque” gerungen. Kurz verschnaufen, schon kommt das Manuskript zu Ben Sanders’ “American Blood“, ein ebenfalls in Albuquerque angesiedelter hard boiled Polizeithriller mit mehr Lakonie als man ihm auf den ersten Blick zutraut. Wird demnächst mit Bradley Cooper verfilmt.

Daneben Moderationen, Texte und Abläufe für das ECHO Charity Dinner 2015 geschrieben und grade dabei, die Green Tec Awards 2015 in Berlin mit Moderationen auszustatten. Im Hintergrund formt sich ein Essay für den Rolling Stone über die Masse an Superhelden-Verfilmungen und ein großes Lars-Eidinger-Porträt für die Juli-Ausgabe des Rolling Stone. Zudem Moderationen für die äußerst talentierte Jennifer Weist (Jennifer Rostock) und ihr Format Update Deluxe, Texte für den neuen Sportschannel der VICE und irgendwo versteckt sich auch ein kommender Roman, aber das ist der weiteste Weg von allen erwähnten Projekten.

Ich weiß genau

Fast vergessen. In der Zwischenzeit eine noch nicht veröffentlichte EP mit deutschem Folk/Country zusammen mit dem guten Mann Lüder Lindau produziert. Dazu gab’s ein durchaus veröffentlichtes Video.

Regie: Lüder Lindau und Berni Mayer
Schnitt: Lüder Lindau
Kamera: Isabella Nadobny
Musik: Berni Mayer
Produziert von Lüder Lindau